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18 Fragen an (Folge 3) ... MZett

14.03.2011 von Mia Bischoff (Kommentare: 0)

Micha Zemlicka

In Folge 3 der Artikel Serie "18 Fragen an .... " bekommen wir einen kleinen Einblick über Fotopannen, Lieblingsmotive, und Vorbilder von MZett und seine eigene Sichtweise auf die Stadt Berlin. Vielen Dank an Micha an dieser Stelle und euch viel Spaß beim Lesen.

Folge 3: Micha Zemlicka, Fotograf aus Essen.

Foto: Ralf J. Diemb

1. Hallo Micha, wie bist du zur Fotografie gekommen?
Hallo Mia, zur Fotografie bin ich durch meinen Daddy gekommen, der von Beruf Fotograf war. Als Kind hat er dauernd versucht, mich zum Fotografieren zu überreden – aber ich war nur genervt und hatte überhaupt keine Lust dazu. Erst mit 12 begann ich mich dann aber doch mehr und mehr fürs Bildermachen zu interessieren. Ich bekam von ihm eine alte 6x6 Rolleicord Kamera aufs Auge gedrückt und konnte damit dann Allerlei ausprobieren. Aber das war alles noch mehr Spielerei. Mit 18 war ich dann schließlich soweit, mir die Dunkelkammertechnik erklären zu lassen: Blende und Zeit, Rezepte für Entwickler und zahlreiche andere Tricks und Tipps rund um die Fotografie. Heute bin ich sehr dankbar,  eine solche Quelle gehabt zu haben.

2. Welche Bilder hast du zur Zeit "im Kopf"?

Ich beschäftige mich bereits seit einiger Zeit mit der Konzeption einer Reihe über Tai Chi Chuan (Chinesisches Schattenboxen) und überlege u.a., welche Location dafür wohl geeignet wäre, um die wunderschönen Stellungen effizient einzufangen.

3. Hast du Fotografen als Vorbilder?

Nun, an erster Stelle steht für mich klar Anselm Adams, seine Fotos – und ich meine hier nicht nur die Landschaftsbilder – haben mich sehr beeindruckt. In den 80iger Jahren habe ich mich sehr eingehend mit seinem Zonenmesssystem auseinandergesetzt und wenn ich fotografiere, muss ich oft an seine Bilder denken.
Ich bewundere aber auch die vielen Fotojournalisten, die in Kriegs- und Krisengebieten arbeiten.

4. Welche Fotoausstellung hast du zuletzt besucht?

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bisher nur eine einzige Fotoausstellung besucht habe, nämlich die von Tilman Neubert aus Neuss, einem Fotografen, den ich sehr bewundere wegen seiner ausgefeilten fotografischen Konzeptionen und Ideen.

5. Hast du schon selbst ausgestellt?

Leider habe ich es bisher noch nicht zu einer eigenen Ausstellung geschafft. Allerdings habe ich mich auch nicht wirklich darum bemüht – in den letzten Jahren hatte ich einfach keine Zeit dazu. Ich denke aber, dass ich in naher Zukunft eine eigene Ausstellung realisieren werde.

6. Was empfandest du als dein bisher schönstes Kompliment?

Mein schönstes Kompliment war für mich, als ein alter Freund von mir einer Ärztin, die ich ebenfalls schon kenne, solange ich denken kann, ein Bild von mir als ziemlich aufwendigen Druck mit Rahmen zum Geburtstag schenkte.
Ihre stille Reaktion in den Augen wird mir unvergessen bleiben.

7. Wie lautet deine Definition vom "perfekten Bild"?

Nun, eine allgemeingültige Definition kann ich da wohl nur bedingt geben, jeder sieht das ja wahrscheinlich anders. Ich denke aber, dass bei mir das Gefühl entscheidet. Wenn es dazu kommt, sehe ich das „perfekte Bild“ meist schon im Sucher und fühle das Kribbeln in mir aufsteigen. Es ist wie eine innere Gewissheit. Allgemein würde ich sagen, dass ein perfektes Foto eines ist, das den Betrachter in seinem Inneren berührt und nicht loslässt.

8. Wie würdest du deine eigenen Arbeiten beschreiben?

Hm, das ist keine einfache Frage. Ich glaube, dass ich – so gut ich kann - versuche, einen besonderen Blickwinkel einzunehmen. Dabei ist mir die optische Ästhetik ebenfalls wichtig. Ich versuche möglichst, eine nicht alltägliche und zugleich konzentrierte Sicht auf die Motive zu vermitteln. Ob das aber immer gelingt, ist wohl eine andere Frage, man lernt ja stets hinzu.

Straßenmusiker in Berlin

9. Analog oder Digital? Wie ist deine Meinung dazu?

Ganz klar beide Arbeitsweisen!
Analoge Bilder werden sich wohl immer wesentlich von digitalen unterscheiden. Die analoge Fotografie ist viel mühseliger und erzwingt so einen bewussteren Umgang mit dem Auslöser. Das Ergebnis ist ja nicht sofort zu sehen und die Situation oft nicht wiederholbar. Jedes so gemachte Bild will daher gut bedacht sein. Hinzu kommt dann noch die Arbeit in der Dunkelkammer, die Negativentwicklung und schließlich die Vergrößerung auf die verschiedenen Papiersorten. Da kann die Arbeit an einem Foto durchaus mehrere Tage in Anspruch nehmen. Echtes Handwerk eben!

Die digitale Fotografie macht es einem da leichter. Durch die ständige Kontrollierbarkeit der Bilder kann man „mal eben“ eine Belichtungsreihe durchführen und diese notfalls sofort wieder löschen. Was analog Stunden dauert, erledigt dann Photoshop mit ein paar Mausklicks. Aber ich finde auch, dass digitalen Fotos oft die „weiche Wärme“ analoger Bilder fehlt, das Korn und die Farben der alten Filme wie Kodakchrome, Fuji usw. Dann können sie schnell Gefahr laufen steril zu wirken. Die Verführung ist groß, Masse statt Qualität zu produzieren.

10. Was würdest du als deine größte Fotopanne bezeichnen?

Na ja, ich hab nie einen Film oder eine Speicherkarte vergessen. Hin und wieder sind mal ein paar Bilder zu dunkel geworden oder verwackelt. Aber das sind keine echten Pannen.
Meine größte Fotopanne erlebte ich 1989, als ich von Indien aus 50 fertig belichtete SW Filme per Paket nach Deutschland schickte und diese dort vom Zoll auf Drogen untersucht wurden. Die haben da jeden einzelnen Film geöffnet und abgerollt und die losen Rollen einfach wieder so ins Paket geschmissen. Zwar keine Drogen, aber auch keine Bilder mehr! Als ich nach ein paar Monaten bei meiner Rückkehr das Paket öffnete, kamen mir echt die Tränen. Natürlich war niemand dafür verantwortlich. Diesen Verlust werde ich nie vergessen!

11. Traumberuf "Fotograf"?

Mein Traumberuf wäre es, intensive Wildlife Fotografie zu betreiben, monatelang in der Wildnis zu leben und entbehrungsreich auf die Motive und Gelegenheiten zu warten, sich dabei dabei die Gewohnheiten von Tieren einzuprägen und fotografisch auszunutzen, oder die Arbeit von Wildhütern zu dokumentieren. Aber das wird wohl ein Traum bleiben, fürchte ich. Und natürlich wäre es schön, mit meinen Bildern Geld zu verdienen, um mein Auskommen zu haben. Den Ausbildungsberuf Fotograf würde ich jedoch eher nicht ergreifen.

12. Was hältst du von Bildbearbeitung?

Streng genommen hat Bildbearbeitung ja nicht mehr viel mit Fotografieren zu tun, aber ich bin trotzdem ein Fan davon und schöpfe bei manchen Bildern die Möglichkeiten digitaler Nachbearbeitung gerne aus. Es besteht jedoch bei der großen Anzahl raffinierter Programme auf dem Markt leicht die Gefahr der Übertreibung und das versuche ich, so gut ich kann, zu vermeiden. Tendenziell ist meine Experimentierfreude bei der Bearbeitung mit den Jahren jedoch eher zurückgegangen.

13. Welche Motive findet man bei dir eher selten?

Klassische Mode- oder Fashionfotografie reizen mich überhaupt nicht.

14. Kann Fotografie die Wirklichkeit widerspiegeln?

Zweifellos kann sie das! Besonders die Arbeiten ernsthafter Fotojournalisten wie z.B. Steve McCurry und auch anderer zeigen immer wieder, dass gerade die spontanen und weniger theoriehörigen Bilder eindrucksvoll das wahre Leben widerspiegeln können. Ich glaube aber nicht, dass sich die Wirklichkeit mit den Tausenden von geleckten und geputzten Bildchen, die zur Zeit das Internet überfluten, wahrhaftig darstellen lässt.

15. Gibt es für dich ein Lieblingsmotiv in Berlin?

Ja, das gibt es und zwar den Berliner Hauptbahnhof. Er ist nicht nur Zentrum und Achse des Lebens und der Lebhaftigkeit, sondern darüber hinaus auch starke Architektur, wie ich sie mag. Mir gefällt auch sehr die Vielfältigkeit der Motive, die sich dort finden lässt.

16. Hast du einen Fototipp für Berlinbesucher?

Berlin Hauptbahnhof, das Museum für Technik und Verkehr und die vielen Hinterhöfe, die so charakteristisch für Berlin sind. Ebenso kann ich das Cassiopeia Terrain und das Tacheles empfehlen.

17. Wo stellst du deine Aufnahmen online aus?

www.photokunst.vontin.net/ZettMichael

18. Hier ist Platz für deine 4 Lieblingsmotive, die in Berlin entstanden sind

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