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18 Fragen an (Folge 2) ... Tassos Kitsakis

11.02.2011 von Mia Bischoff (Kommentare: 0)

Portrait von Tassos Kitsakis
Foto: Ralf J. Diemb

Heute habe ich wieder ein Interview für euch, in Folge 2 der Artikel-Serie "18 Fragen an .... " stellt sich Tassos Kitsakis aus Zürich vor. Seine Lieblingsmotive in Berlin, seine Meinung zur Bildbearbeitung oder seine größte Fotopanne, auch hier findet man eine große Leidenschaft: "die Fotografie".

Viel Spaß beim Lesen, ein Danke an Tassos und wir freuen uns über euer Feedback.

Folge 2: Tassos Kitsakis, Fotograf aus Zürich/Schweiz.

1. Hallo Tassos, wie bist du zur Fotografie gekommen?

Fotografie hat mich schon in der Kindheit fasziniert. Das Geheimnis des schwarzen Kastens und der Dunkelkammer haben meine Phantasie angeregt. Richtig losgegangen ist es dann nach meinem Studium. Damals kaufte ich mir meine erste SLR-Kamera, einige Monate später dann das erste Vergrößerungsgerät.

2. Welche Bilder hast du zur Zeit "im Kopf"?

Mein Kopf ist ständig voller Bilder, nicht nur die meinen sondern auch die Bilder von anderen Fotografen, die mir gefallen. Ansonsten habe ich eigentlich zwei Arbeitsweisen, entweder gehe ich raus und finde die Bilder - oder auch nicht - oder ich bereite konkret eine Serie vor, die ich dann zu verwirklichen versuche.

3. Hast du Fotografen als Vorbilder?

Wer nicht? Von Nicèphore Nièpce bis zum Jeanloup Sieff dürften so alle dabei sein, die gut fotografiert haben. Insbesondere die klassische Fotografie in der Zeit von den 30er bis zu den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gehört zu meinen bevorzugten Themen.

Allerdings heißt "Vorbilder" für mich nicht "nachmachen" sondern sich "inspirieren" lassen, dabei die Geschichte der Fotografie, die Stile der verschiedenen Epochen und die Sichtweise anderer Fotografen kennen zu lernen.
Auch Querverbindungen zur Literatur und zu anderen Kunstrichtungen sind in diesem Zusammenhang sehr interessant.

4. Welche Fotoausstellung hast du zuletzt besucht?

Ich bin in Zürich verwöhnt, wir haben in der Nähe das Schweizerische Fotomuseum und die Fotostiftung Schweiz, dazu kommen noch weitere Galerien und Fotomuseen. Die letzte Ausstellung, welche mich beeindruckt hat, zeigte die kürzlich erfolgte Schenkung von René Burri an das Zürcher Museum für Gestaltung. René Burri selber hat auf seine natürliche und charmante Art durch die Exponate geführt. Das war ein Erlebnis.

5. Hast du schon selbst ausgestellt?

Ja, öfter. Ich hatte das Glück und die Freude.
Eine Liste findet man hier: www.tassos.ch

6. Was empfandest du als dein bisher schönstes Kompliment?

Die Mitteilung der renommierten Nikon Galerie Zürich, dass sie bereit sind, mir eine Einzelausstellung zu widmen. Leider gibt es diese sagenumwobene Institution nicht mehr.

7. Wie lautet deine Definition vom "perfekten Bild"?

Wenn ich es wüsste, würde ich nur perfekte Bilder machen.

8. Wie würdest du deine eigenen Arbeiten beschreiben?

Die klassischen Meister der Photographie sind unverkennbar ein Faktor, der meine Arbeit inspiriert. Diese Arbeiten nenne ich Modern Classics.
Meine Intention dabei ist das Verschmelzen von Inhalten klassischer Photographie mit heutigen Sichtweisen.

Der Fotograf

9. Analog oder Digital? Wie ist deine Meinung dazu?

Obwohl ich z. Zt. oft digital arbeite, finde ich, dass viele Fotofirmen zu schnell - wie in Panik - ihre analogen Produkte aufgegeben haben und damit auch die zum Teil führende Position, die sie innehatten. Jetzt versuchen, sie mit irgend welchen Nischenprodukten fernöstlicher Provenienz ein Geschäft zu machen und verpassen die Renaissance der analogen Fotografie, wie sie sich z.B. im Bereich Kunstfotografie manifestiert.

Um auf die Frage zurückzukommen: ich benutze beide Medien -  je nach Projekt - und persönlicher Stimmung.
Was allerdings die alltägliche Brot- und Butter-Arbeit betrifft, so gehört dieser Bereich der Digitalfotografie.

10. Was würdest du als deine größte Fotopanne bezeichnen?

Eigentlich habe ich immer eine Kamera dabei, ausgerechnet an diesem besagten Tag nahm ich aber keine mit. In der Stadt angekommen, sah ich an der Bahnhofstrasse eine Menschenmenge vor einem Geschäft stehen.  Auf dem Trottoir vor dem Schaufenster kniete ein junger Mann und malte seine kleinen bunten radianten Babys auf die Scheibe. Das Ganze war eine Werbeaktion eines Modehauses. Ich konnte problemlos den Laden betreten und von innen, am Fenster stehend, hatte ich den Maler direkt vor mir, der zu mir schaute, während er die Scheibe bemalte. Er war der damals noch nicht sehr bekannte Keith Haring!

11. Traumberuf "Fotograf"?

Für manche kann er das sein, es gibt aber nicht den typischen Fotografen. Es gibt Bildreporter, Werbefotografen, Porträtisten, Sportfotografen etc. Wenn jemand in einer Sparte seine Erfüllung und auch seinen Erfolg findet, warum nicht. Das gibt es aber in jedem Beruf und wie in jedem Beruf so ist es auch in der Fotografie, der Traum besteht auch hier aus 10% Inspiration und 90% Transpiration.

12. Was hältst du von Bildbearbeitung?

Haben wir in Grenzen immer schon gemacht. Die Wahl des Fotopapiers, ob weich, normal oder hart war schon Bildbearbeitung. Das Aufhellen bzw. Nachbelichten von Teilen des Papiers, die Wahl des Entwicklers und die Retusche waren Bildbearbeitung.


In der Digitalfotografie finde ich die Bearbeitung, welche systemimmanente Unzulänglichkeiten beseitigt, legitim. Bekanntlich hat die digitale Fotografie einige Probleme z.B. mit der Schärfe oder auch mit dem Rauschen bei höheren ISO-Werten usw. Es ist legitim, diese "Fehler" sanft zu korrigieren. Auch das Wegstempeln kleinerer Störungen am Rand eines Bildes kann man noch akzeptieren. Massive Eingriffe wären eher als Retusche zu bezeichnen, es ist dann dem Fotografen überlassen, wie weit er mit seinem Werk auf diesem Weg gehen will.

Ich mache das nicht, es sei denn, sowohl der Eingriff wie auch das Ergebnis sind sichtbar und führen zu einem vom Beobachter nachvollziehbaren Prozessweg.

13. Welche Motive findet man bei dir selten?

Ich glaube, das kann man nicht durch den Begriff Motiv unterscheiden. Jedes Motiv ist fotografierbar. Ich wähle die Bilder, von denen hier die Rede ist, nach dem Wert einer möglichen Aussage, etwas, was beim Betrachter Ideen, Gefühle oder Emotionen auslösen könnte, in welcher Richtung auch immer.

14. Kann Fotografie die Wirklichkeit widerspiegeln?

Darüber wurden schon Bände geschrieben. Ein Foto ist immer eine Reduktion aller Ebenen des Erlebten. Es fängt mit der Dimension an, die Übertragung der drei Dimensionen auf das flache Format des Papiers oder des Monitors ist z.B. die stärkste formale Einschränkung. Wir müssen Raumtiefe durch Perspektive, Lichteinfall und Schatten erzeugen. Dem Foto fehlen zudem wichtige Sinneswahrnehmungen des Fotografen im Moment der Aufnahme: Geräusche, Gerüche, Wetter, aktuelles Befinden etc. Das (und nicht nur das) wäre die Wirklichkeit des Aufnahmemomentes. Ich habe mir sehr oft die wunderbaren Fotos vom Yosemite National Park von Ansel Adams angeschaut. Nie habe ich dabei das Rauschen der Wasserfälle gehört oder die Kälte der verschneiten Landschaft gespürt. Nein, ein Foto kann nicht die Wirklichkeit widerspiegeln. Wenn man Glück hat und der Fotograf korrekt arbeitet, verfälscht ein Foto die Wirklichkeit nicht allzu sehr.

15. Gibt es für dich ein Lieblingsmotiv in Berlin?

Ganz Berlin ist ein dankbares Fotomotiv, aber in meiner Erinnerung bleibt vor allem der versteckte, fast unwirklich wirkende Tanzsaal eines verträumten Ballhauses aus anderen Zeiten haften.

16. Hast du einen Fototipp für Berlinbesucher?

Augen aufhalten und lieber einmal zu viel als einmal zu wenig abdrücken, und als Zugabe dazu, das gilt nicht nur für Berlin.

17. Wo stellst du deine Aufnahmen online aus?

www.fotocommunity.de/tassos kitsakis

18. Hier ist Platz für deine 4 Lieblingsmotive, die in Berlin entstanden sind

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