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18 Fragen an (Folge 1) ... Ralf J. Diemb

11.01.2011 von Mia Bischoff (Kommentare: 0)

Ralf J. Diemb

Heute starte ich mit dieser Artikel-Serie auf Cityshooting. Gibt es das perfekte Bild? Welche Fotopannen können passieren? Fragen, die sich jeder schon einmal gestellt hat.

18 Fragen stelle ich Fotografen aus unterschiedlichen Städten. Ob in Berlin lebend oder als Besucher, sie haben die Stadt und ihre Menschen auf ihre ganz eigene Art und Weise festgehalten.

Folge 1: Ralf J. Diemb, Fotograf aus Ettlingen/Wilhelmshöhe.

1. Hallo Ralf, wie bist du zur Fotografie gekommen?

Es begann Anfang der 80er Jahre "des vorigen Jahrhunderts", als sich eine Gruppe von Künstlern zusammenfand, um ein marodes, leer stehendes Haus zur Gründung einer Ateliergemeinschaft, der Ateliergemeinschaft Wilhelmshöhe Ettlingen, zu sanieren.

Dieses Haus bot so viel Platz für künstlerische Aktivitäten, dass ich neben der Musik (die Formation Extra Stout - Irish Folk bestand damals schon 8 Jahre) plötzlich auch Interesse an Fotografie fand - inspiriert auch durch die anderen Künstler im Haus. Ich richtete mir eine geräumige Dunkelkammer ein, kaufte mir eine Nikon F3 und diverse Objektive und fing an "zu lernen".

2. Welche Bilder hast du zur Zeit "im Kopf"?

Ich würde gerne auf den Spuren von Ara Güler durch Istanbul wandern und meine Eindrücke in Bildern festhalten. Ein einwöchiger Aufenthalt in Istanbul und der Besuch der Ausstellung "Türkische Fotografen" im Willy-Brandt-Haus in Berlin (2009) haben meine Lust auf mehr geweckt.

3. Hast du Fotografen als Vorbilder?

Grundsätzlich begeistern mich die Arbeiten von Henri Cartier-Bresson, von Willi Ronis, von Robert Doisneau, von Izism, von Gianni Berengo Gardin, von André Kertész, aber auch die wunderbaren Fotografien eines Ara Güler oder eines Robert Häusser - also, vor allem die klassische Schwarz-Weiß-Fotografie.

4. Welche Fotoausstellung hast du zuletzt besucht?

Zuletzt war ich in Stuttgart bei der Gerda Taro - Ausstellung und in Karlsruhe, wo Barbara Klemm in einer Retrospektive eine unglaublich große Anzahl ihrer Bilder zeigte.

5. Hast du schon selbst ausgestellt?

Natürlich hatte ich schon von Beginn an den Wunsch, meine Bilder auch der Öffentlichkeit vorzustellen. Die ersten Ausstellungen fanden in Karlsruhe und Umgebung statt, dann natürlich in den Räumen der Wilhelmshöhe.

Zuletzt stellte ich im Mai 2010 in den Räumen des Kunstvereins Ettlingen aus, zusammen mit Elisabeth Klank, Tassos Kitsakis und Tom Ritschel.

6. Was empfandest du als dein bisher schönstes Kompliment?

Als schönstes Kompliment für mich fasse ich den Satz auf, den ich schon mehrfach gehört habe: Du hast eine eigene Handschrift gefunden.

7. Wie lautet deine Definition vom "perfekten Bild"?

"Es gibt kein perfektes Bild" - Ich las anlässlich einer Ausstellung von Naomi Leshem auch diesen Satz von ihr: "Bilder sind wie Kinder - nicht perfekt!"

Dieser Aussage kann ich nur zustimmen und füge folgenden Satz hinzu, indem ich David Bowie zitiere, der einmal sagte:"An dem Tag, an dem du denkst, du kannst nicht mehr besser werden, fängst du an, immer den gleichen Song zu spielen".

8. Wie würdest du deine eigenen Arbeiten beschreiben?

Ich denke, dass meine Arbeiten im Bereich der Streetfotografie und der spontanen Portraitfotografie mit den Worten "lebendige Momentaufnahmen, die die Realität dokumentieren - Arbeiten mit Interpretationsfülle" beschrieben werden können. Ich suche stets den überraschenden Moment, ohne aufdringlich zu werden oder meine Kamera voyeuristisch zu handhaben.

Ich möchte Alltägliches ins Licht rücken, um zum Nachdenken, Lächeln, Sinnieren oder Fantasieren anzuregen. Das heißt aber auch, dass ich oftmals außergewöhnliche Situationen "voraussehen" muss, um dann im richtigen Moment auf den Auslöser drücken zu können. Der Betrachter meiner Bilder soll den Wunsch verspüren, sich seine eigene Geschichte zum Bildinhalt zu erfinden, sich in das Bildgeschehen einzubinden.

Berliner Herbst

Passend zu meinen Bildern finde ich einen Ausspruch von Francois de La Rochefoucauld: "Es liegt eine Beredsamkeit im Blicke und in der Haltung, die nicht weniger überzeugend ist als jene, die in Worten liegt".

Im Bereich der Detailaufnahme ist es der außergewöhnliche Ausschnitt, der mich interessiert. Daneben finde ich den Charme und die Ästhetik des (scheinbar) Wertlosen, des Maroden, des in Zerstörung Begriffenen extrem spannend. Detailaufnahmen werden so zu "gemalten Bildern", oftmals abstrahiert, aber auch mit erkennbaren figurativen Inhalten.

9. Analog oder Digital? Wie ist deine Meinung dazu?

Begonnen hat es natürlich mit analoger Fotografie, mit Dunkelkammerarbeit und hohem Zeitaufwand, bis ein Bild meinen Vorstellungen entsprach. Bedingt durch Zeitmangel folgte der Umstieg auf die digitale Schiene, auf der ich jetzt grundsätzlich unterwegs bin. Ich gebe gerne zu, dass mein Ehrgeiz dahin tendiert, meine digitalen S/W - Fotografien möglichst wie analoge aussehen zu lassen, was kein einfaches Unterfangen darstellt.

10. Was würdest du als deine größte Fotopanne bezeichnen?

Da muss ich zurückblicken auf das Jahr 1996, als ich mit meiner Familie den Sommerurlaub in Irland verbrachte und mit meiner Nikon F3 Landschaftsaufnahmen machte. Wieder zu Hause angekommen, fehlte mir zunächst die Zeit, diesen Film zu entwickeln.

Anlässlich eines schulischen Projektes fand wenig später eine Exkursion zum Metallschuttplatz am Karlsruher Rheinhafen statt, wo meine Kamera wieder zum Einsatz kam. Leider hatte ich völlg vergessen, den bereits in Irland belichteten Film durch einen unbelichteten zu ersetzen und traute meinen Augen nicht, als ich die Negative aus dem Fixierbad holte - alles doppelt belichtet. Die Bilder hatten dennoch ihren Reiz!

11. Traumberuf "Fotograf"?

Hätte ich, als ich nach dem Abitur zunächst unschlüssig war bezüglich meiner Berufswahl, die Möglichkeit gehabt, die sich heute jungen Leuten im Hinblick auf Studiengänge bieten, hätte ich wahrscheinlich den Beruf des Fotojournalisten angestrebt.

Aber sich in dieser Branche behaupten zu können, war und ist meiner Meinung nach oftmals weniger vom Können als vielmehr von Glück, Zufall oder guten Beziehungen abhängig.

Aber, wer nicht träumt, hat keine Kraft zum Kämpfen - deshalb lasse ich das Wort "Traumberuf" einfach mal so stehen.

12. Was hältst du von Bildbearbeitung?

Bildbearbeitung kommt für mich nur in begrenztem Umfang zum Tragen. Der Einsatz von Filtern oder HDR-Aufnahmen sind für mich kein Thema, an inszenierter Fotografie habe ich kein großes Interessse.

Ich korrigiere lediglich die Tonwerte und wenn es nötig ist, entferne ich störende Bildelemente, die die Aussage des Bildes erheblich beeinträchtigen würden. Normalerweise versehe ich die Bilder noch mit einem Rahmen.

13. Welche Motive findet man bei dir selten?

Sehr selten selten versuche ich mich an Makroaufnahmen von Blumen oder Tieren. Wenn ich das Gefühl habe, eine Aufnahme stellt einen Menschen bloß, lösche ich diese oder stelle sie nicht aus.

14. Kann Fotografie die Wirklichkeit widerspiegeln?

Fotografie kann natürlich selten als "Wiedergabe der Realität" angesehen werden, da Bilder manipulierbar sind, was die Bildaussagen angeht - Streetfotografie zeigt z.B. einen Moment, den jeder Betrachter unterschiedlich interpretieren kann. Auch gestellte Bilder sind für mich keine Realität, da die Situation künstlich erzeugt wurde.

15. Gibt es für dich ein Lieblingsmotiv in Berlin?

Meine Lieblingsmotive in Berlin sind die "Straßen der Stadt und ihre Menschen".

16. Hast du einen Fototipp für Berlinbesucher?

"Zieht euch bequeme Schuhe an und lauft, lauft, lauft ... Die Motive springen euch in dieser Stadt überall an!"

17. Wo stellst du deine Aufnahmen online aus?

www.fotocommunity.de/ralf j. diemb

18. Hier ist Platz für deine 4 Lieblingsmotive, die in Berlin entstanden sind

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